"Aus Angst wurde Zuversicht" ein Erfahrungsbericht von Christian
Christian ist 42 Jahre alt und lebt mit einer Angststörung. In seinem Erfahrungsbericht erzählt er von seinem Weg zurück ins Leben.
Hinweis: Aufgrund der sehr persönlichen Inhalte wurden Bilder und der Name des Teilnehmers anonymisiert.

Lange Zeit hat meine Angststörung meinen Alltag bestimmt. Dinge, die eigentlich ganz normal sind, wurden für mich zu echten Herausforderungen. Bei den einfachsten Dingen wie Einkaufen gehen oder Bus fahren habe ich mit sehr unwohl gefühlt, war angespannt und total unsicher. Viele Situationen habe deshalb ich vermieden, weil die Angst einfach zu groß war.

Meine Welt wurde immer kleiner
Da ich immer öfter Situation gemieden habe, habe ich mich mit der Zeit immer weiter eingeengt. Ich habe mich zurückgezogen und Stück für Stück den Anschluss verloren. Meine sozialen Kontakte wurden auch immer weniger. Besonders schwer war für mich, dass die Erkrankung irgendwann auch Auswirkungen auf mein Berufsleben hatte.
Bereits der Weg zur Arbeit war für mich der blanke Horror. Auf Arbeit selbst wurden Unsicherheiten immer größer.
Als ich meinen Job verloren habe, war das ein großer Einschnitt. Nicht nur finanziell, sondern auch emotional. Mein Selbstvertrauen war ohnehin schon angeschlagen und durch den beruflichen Verlust wurde es noch schwerer.
Ich habe oft an mir gezweifelt und mich gefragt, warum andere scheinbar problemlos durchs Leben gehen, während ich schon an alltäglichen Dingen kämpfe. In dieser Zeit hatte ich häufig das Gefühl, festzustecken und nicht mehr voranzukommen.
Der Wendepunkt vor 3 Jahren
Aus dieser Verzweiflung heraus geholfen hat mir meine Mutter, die mir Vorgeschlagen hat zu einem Infotag des Beruflichen Trainingszentrum zu gehen. "Versuch es doch einfach, nur mal gucken." Ehrlich gesagt habe ich es mehrmals nicht geschafft hinzugehen. Einmal endete das Vorhaben direkt vorm Eingang. Meine Angst war einfach zu groß.
Zum Glück gab es regelmäßig Termine und mit etwas Unterstützung habe ich es doch geschafft. Rückblickend war die Angst total unbegründet.
Es brauchte mehrere Anläufe, bis ich wirklich bereit war, mich auf Hilfe einzulassen. Rückschläge gehörten immer wieder dazu und manchmal hatte ich das Gefühl, wieder ganz am Anfang zu stehen. Gemeinsam mit den Mitarbeitern des Beruflichen Trainingszentrum wurde die geeignete Maßnahme für mich gefunden. Das tolle war, dass selbst wenn ich schwere Tage hatte keine negativen Konsequenzen warteten. Das half mir Schritt für Schritt, mich meinen Ängsten zu stellen und wieder Vertrauen in mich selbst zu gewinnen.
Die Unterstützung durch die Betreuer hat dabei eine wichtige Rolle gespielt.
Ich hatte immer Ansprechpartner, die Verständnis für meine Situation hatten und mir geholfen haben, auch schwierige Phasen zu überstehen.


Zu merken, dass man nicht allein ist war eine Erleichterung
Besonders wertvoll war für mich der Kontakt zu anderen Teilnehmern. Im BTZ habe ich Menschen kennengelernt, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben wie ich. Zum ersten Mal hatte ich nicht mehr das Gefühl, mit meinen Problemen allein zu sein.
Mir wurde klar, dass ich nicht der Einzige bin, der mit psychischen Belastungen kämpft. Dieses Gefühl hat unglaublich gutgetan. Es hat mir gezeigt, dass mit mir nichts grundsätzlich falsch ist und dass viele Menschen ähnliche Herausforderungen bewältigen müssen.
Mit einer Teilnehmerin habe ich mich besonders gut verstanden. Sie leidet ebenfalls unter Angststörungen und Zwängen. Wir konnten uns offen austauschen, über unsere Schwierigkeiten sprechen und uns gegenseitig motivieren. Gerade an schlechten Tagen war das eine große Hilfe.
Heute blicke ich nach vorne
Natürlich gibt es auch heute noch Tage, an denen die Angst stärker ist. Der Unterschied ist, dass ich inzwischen gelernt habe, damit umzugehen.
Rückschritte werte ich nicht mehr als Scheitern, sondern als Teil des Weges. Ich weiß mittlerweile, dass nach schwierigen Phasen auch wieder bessere Zeiten kommen.
Durch die Unterstützung im BTZ, den Austausch mit anderen Betroffenen und die vielen kleinen Erfolge habe ich Stück für Stück zurück ins Leben gefunden. Heute bin ich auf einem sehr guten Weg, wieder ein erfülltes und selbstbestimmtes Leben zu führen. Darauf bin ich stolz.
Hinweis zum Schutz der Privatsphäre:
Die Würde und Anonymität unserer Teilnehmenden stehen für uns an erster Stelle. Bei dieser Geschichte handelt es sich um ein Fallbeispiel, das auf realen Erfahrungen aus unserem BTZ-Alltag basiert. Um Rückschlüsse auf Einzelpersonen auszuschließen, wurden Namen, Details und Berufe kombiniert und verfremdet. Die gezeigten Bilder wurden mit Unterstützung von KI erstellt und dienen als Symbolbild.
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